Baron von Bühler empfing seine Gäste im Jahr
1788
Schlossbesichtigung Ludwigsburg, Sa. 15.10.2005
Nach
einer gemeinsamen S-Bahn- und Bus-Fahrt erreichten wir unser Ziel, das Ludwigsburger
Schloss. Einige Minuten später begrüßte uns der Baron von
Bühler, und bat uns, ihm zu folgen. Vor uns lag eine Treppe und wir wurden
gleich in die Gepflogenheiten des Hofes eingewiesen: Im Jahr 1788, in dem wir
uns nun befanden, durfte man nicht einfach wie gewohnt hinaufgehen - oh nein!
Man musste sich seitlich drehen und im Kreuzschritt steigen. Die Damen hatten
zudem die Aufgabe zu bewältigen, sich mit der linken Hand am Rock festzuhalten
und mit der rechten zu fächeln. Seine "Exzellenz", wie sich der Herr
Baron von Bühler anreden ließ, erklärte uns, dass Carl Alexander der Vater
von Herzog Carl Eugen gewesen war. Wer sich das nicht merken konnte, oder sonst irgendwie
"auffiel", dem drohte er mit dem Hohen Asperg: Hierbei
handelt es sich um den "höchsten Berg" Württembergs: Hinauf gelangt
man in zehn Minuten, herunter dauert es zehn Jahre... (Von einem Fenster des
Schlosses konnte man das Gefängnis sehen.) In einer kurzweiligen und amüsanten
Führung konnten wir allerlei verblüffende Tatsachen erfahren: Diener zum
Beispiel wurden nach Körpergröße eingeteilt, die kleineren mussten in einer
winzig kleinen Ofenkammer ausharren, die Größeren wurden Türöffner - die
Klinken befanden sich in Schulterhöhe. Im Schloss befindet sich auch ein
barockes Schlosstheater, das das älteste erhaltene in Europa ist. Unsere
Singtalente konnten dort aufgrund von Lampenfieber nicht entdeckt werden. Die
damalige Bühnentechnik faszinierte uns: Auf Holzrollen konnten die
Bühnenbilder rasch gewechselt werden, auch gab es eine Wind- und
Donnermaschine. Neunzig Minuten, in denen uns seine "Exzellenz" oft
zum Lachen brachte, neigten sich dem Ende entgegen. Die Treppe zum Schluss
konnten wir sogar heruntergehen, wie wir wollten. Frohgelaunt verließen wir das
Schloss und freuten uns, dass keiner von uns auf den Hohen Asperg eingesperrt
worden ist. Wieder im 21. Jahrhundert angelangt, stärkten wir uns anschließend
in der Gaststätte "Lindenstüble" in Zuffenhausen.
(Sylke Griesinger)
