Kreuzwanderung im Montafon/Rätikon vom 25. bis 27. Juni 2004

Bericht der Erwachsenen

Stimmung und Wettervorhersage waren gut, als sich die Teilnehmer am Freitag Nachmittag in Vaihingen zur Abfahrt ins Montafon trafen. Eine von Hartmut Novacek geplante und von allen Beteiligten mit Spannung erwartete Wandervariante musste ihre Feuerprobe bestehen: die erste Kreuzwanderung in der Vereinsgeschichte. So machte sich ein Horde von 25 gutgelaunten Wanderern - 4 Kinder, 9 Jugendlichen und 12 Erwachsenen - auf den Weg ins Montafon. 12 Erwachsene? Nein, eine Gruppe von 3 Ungeduldigen war bereits am Vormittag aufgebrochen, um die Gegend zu erkunden. Nach der Ankunft In Vandans bzw. Latschau wurden die Autos für die Rückfahrt strategisch verteilt - und schon konnte der Wanderbus in Richtung Rellstal seinen 20minütigen Aufstieg mit uns vier Erwachsenen beginnen. Das Angebot des Fahrers, uns vollends bis zur Heinrich-Hueter-Hütte zu befördern, lehnten wir empört ab, waren wir doch zum Warmlaufen für Samstag wild entschlossen. So legten wir die restlichen 300 Höhenmeter als Trainingslauf in einer Stunde zurück und wurden von unserer Vorhut Heidi, Rüdiger und Franz um etwa 19:30 Uhr freudig auf der Hütte empfangen und eingewiesen, womit der Wohlfühlfaktor sofort auf 100% anstieg. Die Heinrich-Hueter-Hütte, auf 1786 Metern gelegen, war an diesem Freitagabend recht leer und so konnte unsere Siebenertruppe nach einem guten und reichlichen Abendessen ein separates Lager belegen. Die Hüttenruhe ab 22 Uhr wurde (fast) eingehalten, wollten wir doch am nächsten Morgen den Sonnenaufgang erleben. Für alle Leser, die keine Erfahrung mit Lagerübernachtungen haben, muss hier gesagt werden, dass die Schlafdisziplin in einer Hütte als "Intervallschlafen" bezeichnet werden muss: laufend ächzt, kracht oder schnarcht es! Es war also kein Problem, kurz vor 6 Uhr morgens aus seinem Schlafsack zu kriechen (man hatte eh das Gefühl, nicht geschlafen zu haben), um einen imposanten Sonnenaufgang über dem nächsten Bergkamm zu erleben. Danach ging alles wie schon mehrfach eingeübt: Reinigungsprozedur (brrr…), Frühstück fassen, zusammenpacken, letztes Foto zur Dokumentation der Fitness und der Gruppenstärke - und los ging's in Richtung Lünersee. Vorbei am Gipsköpfle erreichten wir unseren ersten Rastplatz in ca. 2000 m Höhe. Hier hatten wir bereits das erste größere Schneefeld hinter uns gelassen. Nach einer halben Stunde Rast wurde der erste Höhepunkt des Tages in Angriff genommen: die Lünerkrinne in 2155 m: ein straffer Wind kam uns dort entgegen, die ersten Blasenpflaster mussten gesetzt werden - aber beim Anblick des grünlich schimmernden Lünnersees von oben mit den noch schneebedeckten Bergen und einem strahlend blauen Himmel wurden einige von uns von Glückshormonen überschüttet. Ab der Lünerkrinne waren Murmeltiere unsere ständigen Begleiter während unserer Tour und wir waren uns sicher, dass wir ständig beobachtet wurden und unser Fortschritt von einer Kolonie zur anderen weitergemeldet wurde. Der Lünersee wurde zu etwa einem Drittel umrundet und noch bevor wir ihn hinter uns ließen, machten wir am Lünersee-Haus unsere zweite Rast. Hier wurden wir erstmals ungeduldig, wollten wir doch endlich dem Clou der Kreuzwanderung erleben: die Kindergruppe sollte uns entgegenkommen; tags zuvor sind wir dazu in zwei Gruppen aufgebrochen: Kinder- und Jugendgruppe gingen zusammen zur Lindauer Hütte, während wir zur bereits erwähnten Heinrich-Hueter-Hütte marschierten. An diesem Samstag wanderten uns nun die Kinder mit ihren Betreuern (Betreuungsverhältnis 3:4) entgegen, um anschließend auf "unserer" Heinrich-Hueter-Hütte zu übernachten und wir auf "ihrer" Lindauer Hütte zu nächtigen. Die Jugendgruppe kletterte an diesem Tag von der Lindauer Hütte auf die Tilisuna-Hütte in 2.211 Metern Höhe. Aber von der Kindergruppe war am Lünersee-Haus noch nichts zu sehen und zu hören und so brachen wir in froher Erwartung in Richtung Verajoch wieder auf. Unterwegs staunten wir immer wieder über die prächtige Flora und Fauna dieser Alpen und machten an so manchen Blumenansammlungen Halt - einfach um zu genießen. Wir erreichten das Verajoch auf 2.330 Metern kurz vor 14 Uhr. Von hier aus konnten wir die Senke des Schweizertors sehen - und eine emporschnaufende Siebenerseilschaft: unsere Kindergruppe. Natürlich warteten wir auf der Jochhöhe auf "unsere Kinder" - übrigens gab es nur ein Familientreffen. Nach kurzem Erfahrungs-, Autoschlüssel- und Geldbörsenaustausch ging wieder jede Gruppe ihren eigenen Weg. Ein weiteres Highlight wartete auf uns: das Schweizertor. Zunächst dachten wir, damit sei eine Schutzhütte gemeint, aber als wir an der Schutzhütte ankamen und unsere Blicke gen Süden schweifen ließen, trauten wir unseren Augen nicht: die Bergkette, an der wir seit Stunden entlang wanderten, war plötzlich verschwunden. Westlich sanft abfallend auf unsere Talhöhe blieb sie für cirka 200 Meter auf diesem Niveau, um dann senkrecht wieder auf die alte Höhe anzusteigen. Auf diesen 200 Metern gab sie den Blick tief in die Schweiz frei! Ab hier sollte unsere längste Schneefeldwanderung beginnen (die Kinder hatten es schon hinter sich): hinauf zum Öfapaß, vom dem man die Lindauer Hütte in 1 1/4 Stunden Entfernung zum ersten Mal sehen konnte, bis kurz vor die Lindauer Hütte war nur Schnee angesagt. Um 17:30 erreichten wir schließlich müde - aber glücklich - die Lindauer Hütte. Mit "Same Procedure as Yesterday" belegten wir wieder unser Quartier (auch dieses Mal ein Separee für unsere Truppe) und konnten unser wohl verdientes Abendessen bis zum Sonnenuntergang auf der Terrasse der Hütte genießen. Ein voller Sonnentag fand seinen schönen Abschluß! Intervallschlafen war wieder angesagt. Zusätzlich war wahrscheinlich jeder von uns mit seinen Zipperleins beschäftigt, die er sich an diesem langen Wandertag so eingesammelt hatte - und der Rückweg am Sonntag lag noch vor uns. Wie wird also der nächste Tag werden? Sonntagmorgen: übliches Hüttenwecken spätestens vor Sieben Uhr! Kräftetanken beim Frühstück, packen, zahlen - alles schon geübt, noch einen Gang durch den sehr schön angelegten Alpengarten, wo wir unsere Kenntnisse über die Alpenflora wieder auffrischen bzw. vertiefen konnten und das obligatorische Gruppenfoto vor der Tour wartete. Alle Mitglieder unserer Gruppe waren wieder fit für die nächsten Herausforderungen und das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite.

Auf dem Weg um die Geißspitze zur Latschatzalpe fühlen wir uns wie in einem unendlich großen Alpengarten: wunderschöne Pflanzenstände, mit einer überwältigenden Farbenpracht wurden durchschritten. Wir sichteten die letzen Murmeltiere und bekamen noch eine Gemse in Bilderbuchhaltung zu sehen, fast wie organisiert von unserem Tourenführer Rüdiger. Dann holte uns so langsam die Zivilisation wieder ein: die ersten Gondelwanderer begegneten uns - gleich darauf die ersten Almkühe. Auf dem Golmer Joch in 2124 Metern Höhe erreichte uns der Funkspruch, dass die anderen Gruppen bereits bei den Autos angekommen waren: was also tun? Wir kürzten unseren Abstieg bei der Mittelstation der Golmerbahn ab und bestiegen eine Gondel - 5 Minuten später trafen wir auf die anderen Gruppen, die am Stausee am Lünerseewerk in Latschau bereits auf uns warteten. Da noch zwei Autos an der Talstation in Vandans standen, beschlossen Rüdiger, Heidi, Franz und Heike, den weiteren Abstieg zu Fuß vorzunehmen. Dagmar, Katrin und ich bevorzugten den bequemen Weg mit dem Auto. In Vandans trafen sich alle nochmals zu einem Abschiedseis - auch die Finalwanderer um unseren Tourenführer Rüdiger kamen noch rechtzeitig dort an, um nochmals gemeinsam mit uns in den Erlebnissen zu schwelgen. Die Rückfahrt verlief genauso problemlos wie zwei Tage zuvor die Anfahrt. Und wer nun denkt, dass alle Wanderer derart müde waren und bis auf den Fahrer in den Autos schliefen, der täuscht sich: auch die Rückfahrt war noch sehr unterhaltsam - bei uns mit einem kurzen Zwischenstopp zur Pflege der deutsch-amerikanischen Esskultur für unsere tapferen und immer hungrigen Kinder. So endete ein sehr schönes Wochenende am Sonntag Abend gegen 19 Uhr in Vaihingen. Die Kreuzwanderung war getestet, für gut empfunden und von allen Teilnehmern wärmstens zur Wiederholung empfohlen worden. Hier muss nun unbedingt noch unserem Erwachsenen-Tourenführer Rüdiger für seine souveräne Führung gedankt werden. Ein ganz besonderer Dank gilt unserem Organisator Hartmut, der auf diese wunderbare Idee kam und uns so ein unvergessliches Wochenende erleben ließ. Ich meine, er hat seinen Job so gut gemacht, dass er nächstes Jahr nicht umhin kann, etwas ähnliches zu organisieren.
Klaus Kempf

 

Kreuzwanderung - Bericht der Kinder

 

Nachdem wir auf der Lindauer Hütte mit den Jugendlichen übernachtet hatten, machten wir uns auf den Weg zur Heinrich-Hueter-Hütte. Als wir ca. eine ¾ Stunde gelaufen waren und viele Murmeltiere gesehen hatten, machten wir Rast an einem Schmelzwasserbach. Dort lag ein Blech im Wasser mit der Aufschrift: "Benjamin Walter hat sich hier den Bergsteigertod geholt". - Wir haben unsere Beine über den Bach baumeln lassen und ließen kleine Bananenchips schwimmen. Natürlich aßen wir sie auch auf. Zur Unterhaltung sang Meik mal wieder seine berühmten Lumpenlieder, bei denen wir (die Kinder) begeistert mitsangen. Eine halbe Stunde ungefähr machten wir Rast, dann liefen wir direkt auf die Schneefelder zu. Wir stapften durch ein 5 km langes Schneefeld auf dem wir immer wieder ausrutschten. Oben angekommen zählte Jan immer noch begeistert die Murmeltiere, Meik dichtete neue Lumpengedichte, Teresa verschwand mal kurz hinter den Steinen und Tilman wollte die Vögel füttern - doch er versank im Schnee und blieb stecken. Wir gruben Til mit den Wanderstöcken von Wolfgang und Meik wieder aus, lockerten den Schnee an seinen Füßen und zogen ihn an den Armen wieder heraus. Wir liefen das Schneefeld an der anderen Seite wieder herunter und wanderten von Österreich in die Schweiz.
Wir stapften weiter durch den Schnee und trafen auf die Erwachsenen, die gerade von der Heinrich-Hueter-Hütte kamen. Wir aßen und tranken und quatschten ein Bisschen. Dann gingen wir mit neuen Kräften weiter bis zum Lünersee, wo wir wieder eine Rast machten. Danach liefen wir weiter bis in den Wald. Von da an ging es über Stock und Stein. Endlich nach 10 Stunden waren wir an der Heinrich-Hueter-Hütte. Wir verstauten unsere Sachen in einem Matratzenlager und schliefen, nachdem wir ein gutes Abendessen gegessen hatten, ein. Am nächsten Morgen frühstückten wir, während Meik schon wieder Lumpengedichte dichtete, bezahlten und wanderten ca. 3 Stunden durch den Wald bis zum Parkplatz. Unterwegs sahen wir potthäßliche Puten.
Am Parkplatz angekommen, aßen wir ein Eis und warteten auf die anderen.
Insgesamt hatten wir 29 Murmeltiere gesehen. Es war wunderschön und wir nehmen uns vor nächstes Jahr wieder mitzulaufen.

Herzliche Grüße an die Leiter
Jacqueline, Jan, Tilman

 

 

Bericht der Jugendlichen von der Kreuzwanderung

 

Am Freitag gleich nach der Schule versammelten wir uns bei Teresa und Wolfgang. Auch die Erwachsenen und die Kinder trafen sich dort. Von da aus fuhren wir mit verschiedenen Autos zu unserm Ausgangspunkt. Die Erwachsenen fuhren noch ein Stück weiter. Nach über 3 ¾ Stunden kamen wir an der Lindauer Hütte an.
Kinder und Jugendliche übernachteten auf dieser großen Hütte zusammen. Am nächsten Tag trennten sich ENDLICH unsere Wege. Nach einem flachen Stück und einer kleinen Schneeballschlacht mussten wir ein Flüsschen überqueren. Dann ging es ein steiles Stück durch den Wald. Dahinter, so dachten wir, würde es wieder flach werden, aber es blieb die nächsten 4 Stunden so !!! Manuela, Theresa, Max, André, Lotti und Jenny lagen weit vor dem Rest der Gruppe. Plötzlich standen wir vor einem Abhang mit einem riesigen Schneefeld!!! Ein Schritt daneben und es wäre unsere letzte Jugendwanderung gewesen! Aber wir schafften dieses und auch noch die nächsten 10 Schneefelder und kamen schließlich eine ¾ Stunde vor Sonja, Marina, Sybille und Hartmut an der Tilisunahütte an. Nachdem auch sie nach einem kleinen Zwischenfall (Marina rutschte ab) eintrafen, konnte auch André endlich sein "Quartier" bezahlen. Das war eine Raum mit aneinander gereihten Stockbetten.
Weil Hartmut und Sybille die Strecke zu kurz war, beschlossen sie, dass wir noch gemeinsam ein Stück auf dem Grat laufen sollten. Zum Glück, sonst hätten wir die Herde Steinböcke, die sich auf einem Felsen sonnten, nicht gesehen. Wir machten neben ihnen eine lange Pause und kehrten zum Abendessen in die Hütte zurück.
Am Abend konnten wir die Mittsommerfeuer von den anderen Bergen bewundern.
Am nächsten Tag mussten wir früh raus, da es nur bis 8:00 Uhr Frühstück gab. Wie im letzten Jahr war der Abstieg erst einmal ein Aufstieg. Aber wir kamen dann doch noch unten an (nach ca. 3 ½ Stunden). Als klar war, dass wir auf die Kinder und Erwachsenen noch lange zu warten hatten, fuhren Sybille, Sonja, Marina und Theresa schon los. Doch dann trudelten die anderen doch früher ein als erwartet. Wir aßen im Ort noch ein Eis und machten uns dann auf den Heimweg.
ES WAR SUPER ! ! ! ! ´Danke an Hartmut und Sybille!!!

Lotti und Jenny

 

 

 

  

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