Senioren unterwegs
Der Aufstand des "gemeinen Mannes"
Die Senioren auf den Spuren des Bauernkriegs von 1525
Eine muntere Gruppe machte sich am 2. April auf, um etwas zu sehen und zu erfahren über die dramatischen Ereignisse, die sich vor fast 500 Jahren in unserem Land abspielten. Besonders über die Schlacht zwischen Böblingen und Sindelfingen, wo am 12. Mai 1525 das Bauernheer durch die Truppen des "Schwäbischen Bundes" vernichtet wurde.
Unser Rundgang begann an der Station Goldberg, wo schon auf dem Bahnsteig drei Tafeln - von Klassen des dortigen Gymnasiums gestaltet - erste Informationen geben. Danach führte der Weg zu verschiedenen Skulpturen, die an diese Erhebung erinnern sollen. Leider waren die dort angebrachten Schrifttafeln in einem sehr traurigen Zustand - weitgehend unleserlich. Der Organisator des Tages erhielt den Auftrag, bei der Stadtverwaltung anzufragen und kann inzwischen mitteilen: Man weiß davon und will noch in diesem Jahr für Abhilfe sorgen!
Um zu verstehen, warum es zu dem Aufstand kam und warum er schließlich scheiterte, waren einige Hinweise notwendig.
- Die Bauern waren keine einheitliche Gruppe, und vor allem nicht völlig rechtlos. Sie wehrten sich vielmehr dagegen, dass die Belastungen durch die Grundherren (Ritter, Grafen und Herzöge, aber auch Klöster und Bischöfe) in den letzten Jahrzehnten ständig erhöht worden waren: die Abgaben (den Zehnten) und die Arbeitspflicht (Frondienste). Immer wieder forderten sie die Rückkehr zum "guten alten Recht".
- Eine große Rolle spielten die Ideen der Reformation, die sich über Flugschriften (der Buchdruck - ein revolutionäres Medium) rasch verbreiteten. Luther hatte seinen Satz "Ein Christenmensch ist niemand untertan" auf den Glauben bezogen, er wurde aber politisch aufgefasst. Bei allen Forderungen beriefen sich die Bauern auf die Bibel. Im ersten ihrer "Zwölf Artikel" nennen sie als Ziel, ihre Pfarrer selbst zu wählen - eine Frühform von Demokratie!
- Sie hatten anfangs auch keineswegs die Absicht zu kämpfen, sondern wollten verhandeln. Ihre Versammlungen würde man heute ‚Demonstrationen' nennen.
- Auch als sich die Lage verschärfte, gab es zwischen den verschiedenen Gruppen (damals von ihnen selbst "Haufen" genannt) nie
gemeinsame Planungen und Aktionen.
- Ihre zahlenmäßige Überlegenheit konnten sie nie ausnützen. Sie waren diszipinierten Kampf in geschlossener Formation nicht gewohnt und wurden so von den Söldnertruppen der Gegner (bezahlt auch durch die Kaufleute der Reichsstädte, bes. die Fugger) unter der Führung erfahrener Kommandeure jedes Mal geschlagen. Besonders den Angriffen der Panzerreiter ("der Bauern Tod") hatten sie nichts entgegenzusetzen.
- Man muss auch berücksichtigen, dass die uns erhaltenen Berichte fast ausschließlich aus der Sicht der Sieger geschrieben wurden. Luthers böses Wort von den "räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern" ist völlig irreführend. Im Gegenteil: fast nie übten sie Gewalt gegen Einzelpersonen - aber die Schätzungen über die Zahl der Toten auf Seiten der Bauern - durch Kampf, Verfolgung, Bestrafung - gehen bis zu 100 000. Allein am Goldberg wurden mehrere tausend auf der Flucht abgeschlachtet, um "die Ordnung wieder herzustellen". Welche Ordnung?
Nur vorübergehend etwas angefeuchtet erreichten wir den alten Stadtkern von Böblingen. Das Museum in der Zehntscheuer führt mit Bildern, Informationstafeln und Gegenständen die damaligen Lebensumstände und Ereignisse ausgezeichnet vor Augen. Zudem erhielten wir eine sehr sachkundige und lebendige Führung. Wer anschließend nicht direkt in die gegenüber liegende "Ratsstube" strebte (wo sich Wurstsalat als besonderer Renner erwies), konnte noch das Fleischermuseum am Marktplatz besuchen und sich dort über eine Sonderausstellung freuen: die witzigen Cartoons von Uli Stein "Von Mäusen, Menschen und anderen Tieren."
Also - bis zum nächsten Mal! Und noch ein besonderer Hinweis für unseren lieben Karl-Heinz: um anstrengende Auf- und Abstiege zu entschärfen, werden wir uns bemühen, störende Erhebungen vorher abtragen zu lassen. (Bernhard Völker)
