Neues und Altes im Pfaffenwald
Das war das Thema der Senioren-Unternehmung im Oktober 2011. Mit Absicht in dieser Reihenfolge, denn zuerst kam das Neue. Schon Willi hatte uns im letzten Jahr nach dem gastfreundlichen Treff in seinem Garten zu ganz besonderen Objekten im Universitätscampus geführt - und dieser Bereich ist noch längst nicht ausgeschöpft. Nach dem Motto „Warum in die Ferne schweifen ...“ ist da noch viel zu entdecken, und diese Exkursionen haben den Vorteil, nur wenig Fahrzeit und Moneten zu beanspruchen.

Unser erstes Ziel war das Computermuseum, das jetzt in dem Neubau für die Informatik (Universitätsstraße 38, bei der Bushaltestelle) untergebracht ist. Der zuständige Beauftragte, Herr Krause, bemüht schon seit etlichen Jahren, ausgemusterte Geräte ausfindig zu machen und zu erwerben: Manche konnte er noch im letzten Augenblick vor der Schrottpresse retten. Dafür verfügt er jetzt über eine beeindruckende Sammlung, an der die schnelle, manchmal fast atemberaubende Entwicklung deutlich wird. Wofür noch vor wenigen Jahrzehnten Geräte notwendig waren, die ganze Zimmer füllten, das schafft heute ein Apparätchen im Miniformat. Die Technik hat sich radikal geändert, die Programme, das Material. Das führt natürlich auch zu Problemen, wenn man versucht, die Sachen funktionsfähig zu erhalten bzw. wieder zu machen. Dafür investiert Herr Krause sehr viel Zeit und Mühe - sicher mehr Arbeitsstunden als offiziell vorgesehen (und bezahlt). Manche von uns überkamen auch nostalgische Gefühle beim Anblick von mechanischen Rechenmaschinen oder Lochkartensortieren: „Damit habe auch ich früher gearbeitet.“ Übrigens, für Interessierte, die nicht dabei sein konnten: Das Computermuseum ist regelmäßig geöffnet, jeden Dienstag zwischen 16.15 und 18.30 Uhr (steht natürlich auch im Internet). Herr Krause freut sich sicher über Besucher.
Zur nächsten Station führte uns ein Spaziergang vorbei an den Studentenwohnungen am Allmandring: zügig, denn wir hatten die vorgesehene Zeit schon überschritten und wurden erwartet: am VISUS (Visualisierungsinstitut der Universität Stuttgart). Auch für Laien ist erfassbar, dass das mit Sehen zu tun haben muss, während die Aufgaben mit beeindruckenden, aber z.T. erklärungsbedürftigen Begriffen beschrieben werden: Computergraphik, Visual Analytics, Visual Computing ... Schon das Gebäude selbst ist auffallend. Eine Mitarbeiterin, Frau Barthelmes, informierte uns: Entworfen in den 80er Jahren von dem Architekten Günther Behnisch, der vor allem durch die Bauten für die Olympischen Spiele in München (1972) weltbekannt wurde. Mit Absicht unregelmäßig, fast irritierend gestaltet, soll es Bewegung, Offenheit, Veränderlichkeit verkörpern. Das schiefe Fenster über dem Eingang ist keineswegs eine Fehlplanung ... Ursprünglich hieß es Hysolar-Gebäude, von Hydrogen (Wasserstoff) und Solar = Sonnenenergie. Als der Forschungsauftrag, an dem sich auch arabische Staaten beteiligten, beendet war, erhielt es eine neue Funktion und einen weitgehend unter die Erde gelegten Anbau. Was wir dort sehen konnten, war sicher der eindrucksvollste Teil unseres Nachmittags. Neben einer umfangreichen Kühlanlage für die elektronischen Apparaturen eine kinobreite Projektionswand für Vorführungen. Mit 3D-Brillen ausgerüstet bestaunten wir „zum Greifen nah“ in riesenhafter Vergrößerung Elementarteilchen, Moleküle, Laserstrahlen: selbstverständlich farbig, selbstverständlich beliebig variierbar. Und als Höhepunkt des Ganzen eine optische Reise aus Satellitenperspektive: Vom Institut aus in die Höhe, die ganze Stadt, ganz Deutschland, im Saus quer über den Erdball zu den Wolkenkratzern in Japan und schließlich nach New York: Freiheitsstatue, Manhattan, Empire State Building, bis in die Straßenschluchten mit den Autos. Manchem wurde fast schwindlig ...

Und danach das Alte? Auf dem Weg runter ins Büsnauer Tal der Hinweis, dass hier früher einmal die Vereinshütte stand. Ein paar Worte zur ‚Viereckschanze’, von der im Unigelände noch spärliche Reste zu erkennen sind: Diese Anlagen, die man fast im ganzen keltischen Siedlungsgebiet findet, vor allem in Süddeutschland, hatten keine militärische Funktion, sondern waren wohl Kult- und Versammlungsstätten. Allerdings erlauben die wenigen Funde nur Vermutungen, kaum gesicherte Aussagen.
Der windungsreiche Weg entlang dem Wasserkanal (Erinnerung: „Dort haben wir früher Krebse gefangen ...“) führte uns zum Demmler-Denkmal, Nähe Schattengrund und Magstadter Straße: eine Vierecksäule mit lateinischen und deutschen Schrifttafeln, errichtet 1622 von einem reichen Tuchhändler aus Calw, dessen Sohn Veit dort mit 13 Jahren gestorben war. Allerdings erlauben die Texte keinen Rückschluss auf die Todesursache: Unfall, Krankheit, Lungenentzündung auf einer Handelsreise? Fest steht allerdings, dass der Vater eine beträchtliche Summe bezahlen musste, um vom Herzog die Erlaubnis für die Errichtung dieses Erinnerungsmals zu erhalten. Erfreulich, dass es vor kurzem renoviert und mit einer Informationstafel ausgestattet wurde. Obwohl es für uns fast „vor der Haustür“ steht, hatten es etliche noch nie gesehen.
Und wohin geht man von dort aus, wenn man ‚nahsitze’ und was Rechtes vespern will? Natürlich zum Bärenschlössle! Danach schafften einige den Rückweg zu Fuß, die Anderen konnten sich dem Bus anvertrauen. Also - bis zum nächsten Mal!
(Bernhard Völker)