Wanderreise vom 26.05. - 02.06.2011
Vom 26.05. - 02.06.2011 war die Wandergruppe unter der bewährten und geschätzten Organisation von Ernst Mezger wieder unterwegs. Diesmal hatte er die Normandie als Reiseziel ausgesucht. Mit dem Bus der Fa. Heideker und mit Reimar als Fahrer, der auch schon früher dabei war, gingen am 26.05. morgens um 6 Uhr die 31 Teilnehmer auf die lange Fahrt nach Rouen. Unterwegs nahmen wir in Metz Herrn Prof Specht, einen sehr gut deutsch sprechenden Franzosen auf, der die Reiseleitung in der Normandie übernahm. Durch die Champagne und an den Schlachtfeldern von Verdun vorbei umfuhren wir das stauverdächtige Paris nördlich und erreichten am späten Nachmittag unser Hotel in Rouen gegenüber dem interessanten Jugendstil-Bahnhof.

Wer hätte gedacht, dass Rouen so viele schöne Fachwerkhäuser aus dem 16. Jhdt. hat? Auch der Justizpalast aus der Frührenaissance und natürlich der prächtige gotische Dom beeindruckten uns. Aber auch mit moderner Architektur konnte Rouen punkten: auf dem Marktplatz, wo einst die Jungfrau von Orleans verbrannt wurde, ragen die Dächer der Markthalle und der Kirche wie Flammen an einem Scheiterhaufen in die Höhe.
Unser zweites Quartier war ein Hotel direkt am Meer in Villers-sur-Mer mit herrlicher Lage und miserabler Kaffeemaschine. Von hier aus erkundeten wir sowohl die Küste als auch das Hinterland.
„Eine nicht sehr reizvolle Frau steht vor dem Spiegel und fragt: Spieglein, Spieglein an der Wand " So oder so ähnlich begrüßte uns Herr Specht jeden Morgen zu Beginn unserer Busfahrt und gab einen Witz oder eine Anekdote zum Besten. Und schon war Stimmung im Bus! Aber nicht nur Witzchen hatte er drauf, im Gegenteil. Wie die wilden und gefürchteten Wikinger hier an der Seine-Mündung zu den zivilisierten Normannen wurden, hat er uns in lebhaften Geschichten und farbigen Bildern immer wieder geschildert und eingebleut. So erfuhren wir z.B., wie die schöne Wäscherin Arlette ihren Herzog Robert betörte und damit normannische Geschichte schrieb, und besichtigten den Ort in Falaise. Oder dass Richard Löwenherz gar nicht so ein „männlicher" Held war. Oder wir lernten, wie Wilhelm der Eroberer die Liebe der schönen Mathilde entfachte, nämlich mit einer Tracht Prügel. Aber die Normannen bauten auch Klöster, deren prächtige Ruinen wir in Mortemer auf einer Wanderung mitten im Wald und vor allem in Jumièges besichtigten. Die Stammfolge der Herzöge von Rollo bis Johann Ohneland hätten wir eigentlich auswendig kennen müssen, wenn wir besser aufgepasst hätten.
Natürlich durfte an der Küste der Normandie auch die jüngste Geschichte nicht ausgelassen werden: die Landung der Alliierten am 6. Juni 1944, also fast auf den Tag genau vor 67 Jahren. Die Regie für diesen Besichtigungstag war vorbildlich. Von der Einnahme der Pegasus-Brücke am ersten Morgen, wo wir sogar noch einer Augenzeugin begegneten, über die deutschen Befestigungsanlagen mit den Kratern der Bomben-Einschläge, über die beeindruckenden provisorischen Hafenanlagen in Arromanches — eine logistische und strategische Meisterleistung -, bis zu den unzähligen Reihen der Gräber junger Männer auf den Soldatenfriedhöfen konnten wir dieses Ereignis lebhaft nachvollziehen. Ein großer Tag, vor allem für unseren Ernst (Gardisten-) Mezger.
Mit Normandie verbindet man aber auch Cidre, Calvados, Camembert und natürlich interessierte uns auch deren Herstellung und vor allem die Verkostung! Die Brennerei war in einem herrschaftlichen Bauernhof inmitten der Apfelplantagen, der Käse aus der vorzüglichen Milch der geschminkten und bebrillten Kühe wird in einer industriellen Fromagerie hergestellt, die wir besichtigten. Die leckere Verkostung weckte verständlicherweise die Kauflust, deren Folgen im Falle des Calvados den Besitzer der Brennerei gefreut haben werden, im Falle der aromatischen Käse noch Tage danach im Bus nachzuempfinden waren.
Unsere Wanderungen waren echte Genusswanderungen, das heißt: zum Teil wetter-, zum Teil konditionsbedingt nicht überfordernd, aber vor allem in schöner Landschaft, wenn auch unsere Alb mit der Normannischen Schweiz locker mithalten kann. Unsere Wanderung entlang der Klippen von Etretat, die durch viele Maler weltbekannt sind, sticht dabei natürlich ganz besonders heraus, zumal wir dafür einen herrlichen Sonnentag erwischt hatten.
Gerne hätte man manchmal etwas mehr Zeit gehabt, sei es am Meer, vielleicht in Le Havre, auch in Bayeux vor allem für den großartigen, weltberühmten Teppich mit seinen vielen Details, in denen die Überfahrt Wilhelm des Eroberers nach England und die Schlacht von Hastings 1066 geschildert wird. Aber auch alles Schöne hat mal ein Ende und der Reiseplan muss eingehalten werden. Und so fuhren wir am 2. Juni mit dem Bus nach Paris. Den kurzen Aufenthalt dort nutzte jeder noch für eine kleine Stadtbesichtigung. Einige schafften es sogar noch bis auf den Montmartre. Am Nachmittag ging es dann bequem und schnell mit dem TGV wieder nach Stuttgart zurück.
Dies war die 10. Wanderreise des Schi-Vereins, ein Jubiläum. Ich war das erste Mal dabei. Aber man hat mir versichert, dass es eine der schönsten war. Ich jedenfalls fand es toll. Und deshalb gilt dem Organisator, unserem Ernst, ein herzliches Dankeschön für sein Engagement und seinen vorbildlichen Einsatz. Wir freuen uns auf den Film, den er zum Teil unter Gefährdung seiner Gesundheit und den verzweifelten Mahnungen seiner Gertrud gedreht hat. Und wir freuen uns auf hoffentlich noch viele weitere Reisen mit ihm.
(Manfred Wilhelm)