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19 | 05 | 2012

Weinprobe bei den Weingärtnern in Bad Cannstatt
am 14.Oktober 2011

 

Weinprobe-Cannstatt-2011-008kNachdem wir mit 22 Teilnehmern mit verschiedenen U-Bahnen an der Haltestelle „Kraftwerk Münster“ um 17.40 Uhr angekommen sind, kreuzen wir die Straße und nehmen gleich die Abkürzung durch den steilen Weinberg, um zur Weingärtnerei zu kommen. Als endlich alle den Aufstieg erfolgreich geschafft haben, überrascht uns ein toller Ausblick über Stuttgart. Wir befinden uns auf dem Gelände der Firma Lauster im Travertinpark und stehen vor der ersten elektrisch betriebenen Industriebahn Baden-Württembergs. Hier wurden z.B. die Travertin Steine, die zum Bau des Mittnachtsbaus in Stuttgart verwendet wurden, abgebaut. Der Park soll an die Entstehungszeit des Gesteins Travertin und seine Bearbeitung erinnern. Nachdem Uli Marquardt uns einen guten Überblick über die Geschichte des Travertins, die Verwendung und die archäologischen Funde auf dem Gelände gegeben hat, brauchen wir nur ein paar Schritte bis zum Eingang der Weingärtnerei. Dort empfängt uns unsere heutige Führerin, Frau Sigrid Ronowski, mit einem Glas Cannstatter Zuckerle Trollinger Rose Sekt 2009 Flaschengärung. Wir stehen im Verkaufs-bereich und mancher lässt sich die letzte Gelegenheit, noch das eine oder andere Mitbringsel zu kaufen, bevor die Geschäfts-zeit vorbei ist, nicht entgehen.

Frau Ronowski erläutert uns zuerst die Historie des Weinanbaus am Neckar und die Entstehung der Genossenschaft. Die Römer brachten den Wein an den Neckar, die Hochzeit war aber im 19. Jahrhundert unter König Wilhelm, der ja auch der Landwirtschaftskönig genannt wurde. Damals war jeder 3. Einwohner in Cannstatt Winzer. 1923 erfolgte dann der Zusammenschluss der Winzer zu einer Genossenschaft, jetzt auch mit der Winzergenossenschaft Dillenhausen. Die Dillenhausener haben den Schwarzriesling im Anbau. Die Gesamtanbaufläche beträgt nun 61 ha.Weinprobe-Cannstatt-2011-003

Nun folgt ein Abriss durch die Herstellung des Sektes. Wie funktioniert die Flaschengärung?

Alle haben ausgetrunken, und wir folgen Frau Ronowski auf einen Rundgang durch die Weinkeller. Da derzeit ja darin gearbeitet wird, ist es sehr lebendig. Wir beginnen in der Anlieferung. Hier werden nach dem Wiegen und der Stieltrennung die verschiedenen Trauben zu Maische gepresst. Dann erfolgt, je nach Farb- und Gerbstoffgehalt, bei den Rotmaischen eine Erhitzung (die einfacheren Weine) oder die Gärung auf der Schale. Ein Trollinger wird 4 Tage vergoren, ein Lemberger 14 Tage. Danach wird in Fässer und Stahltanks abgefüllt, je nach Wein auch in Eichen-oder Barriquefässer.

Wir wandern weiter in die Tiefen der Keller und ein herbstlicher Duft empfängt uns, wir hören, wie ein Fass überhaupt zum Barriquefass wird, und sehen überall große Eichenfässer und kleine Barriquefässer, deren Überläufe fleißig arbeiten. Die großen Stahltanks, die unter laufender Kühlung stehen, sind im nächsten Raum untergebracht. Es tropft und ist nass von allen Seiten.

Nach so viel Theorie geht’s ans Probieren. Alle marschieren wieder aus dem Keller in den ersten Stock, wo schon eine große Tafel auf uns wartet. Es beginnt mit 2 Weißweinen, natürlich 2010 Cannstatter Zuckerle, ein Riesling und ein 2010er Cuvée Travertin. Da alle schon Appetit haben, wird uns auch gleich der Brotzeitteller mit viel Brot und Wasser serviert. Nun hören wir von der Philosophie des Hauses, die Weine tragen Sterne: drei sind für die Premiumweine, zwei für Weine des gehobenen Geschmacks, und ein Stern für gebietstypische Weine. Durch konsequente Reduzierung des Ertrages und qualitätsfördernde Maßnahmen im Weinberg erhält man die gute Qualität der Weine. Unsere eigenen, ersten Geschmacksanalysen der Weine ergeben von weißem Pfirsich bis Zitronennoten viele Ergebnisse.

Auch Dialektanalysen stehen zur Debatte, „so solle mer de Woi schlotze!“

Nach den Weißweinen probieren wir drei Rotweine mit an-steigender Qualität, erst einen 2010er Cannstatter Zuckerle Trollinger, es folgt ein 2009er Travertin und zum Schluss einen 2008er Pinot Noir. Die Stimmung steigt - beim Glas schwenken entstehen manchmal schon keine „Kirchenfenster“ mehr sondern ganze Dome und nach „nur net huddle, lieber duddle“ bedanken wir uns bei unserer kundigen Frau Ronowski und bei Uli und Anne Marquardt, die auch dieses Mal wieder alles wunderbar perfekt organisiert haben und machen uns beschwingt auf den Heimweg. (Christiane Paetzel)

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