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19 | 05 | 2012

ein "verrücktes" Abenteuer in Griechenland

Die Idee zu dem Vorhaben, einenMarathon auf der Originalstrecke von Marathon nach Athen zu laufen, war schon 3Jahre alt, nur die Verwirklichung hat nicht so ganz funktioniert. Nun war dieletzte Gelegenheit, da meine Verwandtschaft 2010 von Griechenland zurück nachDeutschland zieht. Zur Zeit wohnt meine Schwägerin mit Ihrer Familie in derNähe von Rafina, auf halber Strecke zwischen Marathon und Athen. AllerbesteVoraussetzungen, um ein kleines Jubiläum (mein 10ter Marathon) zu feiern. Dazumusste ich vorher noch meinen 9ten in Ulm laufen. Die Anmeldung im Internet wärenicht das Problem gewesen, wenn nicht das horrende Startgeld von 80 € gewesenwäre. Das ist nämlich der „Ausländerbonus"! Für die, die des griechenland2010-03
Griechischenmächtig sind, staffelt sich das Startgeld von 25 € (nur der Lauf) über 40 € (Lauf plus T-Shirt) bis 60 € (Lauf,T-Shirt und Sporttasche). Meine Schwägerin hat es für mich dann erledigt, wasspäter noch zu ein paar Kuriositäten führen sollte. Nachdem diese Hürde genommen war,musste ein billiger Flug her. Auch dies war schnell dank Internet erledigt undich hab mich am 5. November auf die Socken nach Athen gemacht. Von früherenBerichten wusste ich, dass mich vom Wetter her Alles erwarten konnte.Entsprechend groß war mein Koffer. Zu meiner Überraschung empfing mich Athenmit strahlendem Sonnenschein und angenehmen 20° C. Quartier habe ich natürlichbei meiner Schwägerin bezogen und sie hat mich freundlicherweise auch überallhinbegleitet.DieStartunterlagen wurden nur am Freitag und Samstag in Athen im „Zappeion Megaron"einem historischen Tempelbau ausgegeben. Dort erlebte ich die nächste Überraschung,als mein Zeitmesschip aktiviert wurde. Auf die Frage, ob mein Name richtig sei,blickte ich auf den Bildschirm und sah nur griechische Buch-staben. Auch meinName stand dort in Griechisch. Wieder sprang meine Schwägerin ein undbestätigte die Richtigkeit. Am Sonntag um 9 griechenland2010-01
Uhr sollte derLauf gestartet werden und ausgerechnet für den Tag war Regen vorausgesagt. Dadie Laufstrecke entlang der Hauptlebensader des Attikas, der „MarathonosAvenue" verläuft, wurde diese 4-spurige Straße bereits um 7 Uhr für dengesamten Verkehr gesperrt. Also war ich schon vorher im Startbereich, damitmeine Schwägerin auch noch zurückfahren konnte. Kaum war ich aus dem Autoausgestiegen, ging ein Wolkenbruch los, der bis zum Start anhalten sollte . Im Nu waren alle Unterständebesetzt und ich musste mit einem Olivenbaum vor Lieb nehmen. So viele, inPlastik gehüllte Menschen habe ich vorher noch nie gesehen. Übrigens wurdendiese Regenumhänge kostenlos verteilt. Währenddieser Wartezeit habe ich die nächste Überraschung erlebt. Völlig untypisch fürGriechenland, war diese Laufveranstaltung sehr gut und zeitlich pünktlichdurchorganisiert. Jede Durchsage erfolgte zweisprachig und wurde mehrfach wiederholt,sodass es jeder mitkriegen konnte. Die LKWs mit den Kleiderbeuteln fuhrenpünktlich ab und der Start erfolgte um Punkt 9 Uhr. Anfänglich waren nocheinige größere Pfützen zu umrunden. Nach 5 km wurde der Grabhügel, der an dieSchlacht von Marathon erinnert, umlaufen. Hier war auch die erste Getränkestation.Von da ab gab es alle 2,5 km Getränke in Halb-literflaschen, die man bis zurnächsten Station mitnehmen konnte. Ab ca. 10 km trocknete die Strecke zunehmendab und sogar die Sonne ließ sich blicken. Hier begann auch die erstenennenswerte Steigung im Streckenverlauf, keine große griechenland2010-02
Höhendifferenz aber langgezogen immer stetig bergauf. Bei km 17 gab es eine kurze Erholung, um beikm 18 erneut anzusteigen bis km 32. Wer geglaubt hatte, jetzt sei es geschafft,hatte sich getäuscht. Im Stadtgebiet von Athen kamen noch einige kurze knackigeAnstiege. Da die Unterstützung durch das zahlreiche Publikum an der Streckedoch sehr gut war, spürt man die Strapazen nicht so sehr. Unterwegs hörte ichimmer wieder die Rufe: „Andrea, Andrea...." und habe mich gefragt, woher diemich wohl kennen. Na klar, auf meiner Startnummer stand mein Name auch aufGriechisch! Und dann der Zieleinlauf imhistorischen PANATENAIKON STADIUM! So ein unvergleichliches Erlebnis: Zuschauerrängeaus weißem Marmor, kohlrabenschwarze, moderne Laufbahn und über allem dieOlympischen Ringe. Vergessen waren die Mühen, die Gehpausen und die gelaufeneZeit. Völlig nebensächlich; das vor mir, das zählt! Der Rest ist schnell erzählt.Sonntagabend sind wir noch ausgiebig zum Essen in eine Taverna gegangen und amMontag war der Rückflug nach Stuttgart. Merkwürdig, aber im Flugzeug saßen soviele, die das gleiche T-Shirt trugen und einige haben sich ganz komischbewegt, so als täten ihnen die Beine weh!
    (Andreas Schlüter)