Führung im Rosensteinmuseum 22. Januar 2010
Die Gruppe, diesich zusammengefunden hat, ist erstaunlich groß – fast 30 Leute. Aber dasThema dürfte auch recht spannend sein – und so sind wir sehr erwartungsvoll.

Herzlich begrüßt werden wir von SabineRatzel, der ‚hauseigenen' Biologin, die uns führen wird. Zunächst wird uns HerrDarwin ein wenig vorgestellt – er sollte eigentlich Arzt werden, oderwenigstens Anwalt, was ihn aber so gar nicht interessiert. Er kann sich zuTheologie entschließen, als Pfarrer hätte er wenigstens genügend Zeit, seinemeigentlichen Interesse, dem Sammeln, nachzugehen. Mit einer der vielenAnekdoten über Charles Darwin werden wir nun auf das Thema eingestimmt:
Charles wandelt also eines schönenFrühlingstages durch ein typisch englisches Wäldchen. Er sieht einenhochinteressanten Käfer krabbeln – und liest ihn auf. Wenig später kreuzt einweiterer toller Käfer seinen Weg, auch dieser wird aufgesammelt. DerSpaziergang wird fortgesetzt, und der nächste Käfer erspäht. Was tun – dieHände sind schon voll? Kurzerhand wird ein Käfer in den Mund gestopft, die Handist frei, gut so.
Aber - das Käfertier, welches im Mund Platzfindet, hat eine Waffe: bei Gefahr sondert es eine scheußlich schmeckendeFlüssigkeit ab. Und prompt wird der Käfer ausgespuckt – er wird sein Lebennicht durch eine Stecknadel verlieren. Hier ist sie, die Grundlage derEvolution, Erhaltung der Art, in diesem Fall durch schlechten Geschmack.
Unser Rundgang beginnt bei der ‚Beagle' dem –fast – originalgetreuen Modell des Schiffes, auf dem Darwin seine umfangreicheSammelreise in alle Ecken der Welt gemacht hat. Wir klettern aufs Deck undbekommen einen Eindruck von den Bedingungen: Fünf Jahre lang auf einerNussschale über die Meere, mit ca. 50 Leuten, und dazu Kisten und Körbe desHerrn Darwin – der übrigens nicht als großer Forscher dabei ist, wie wirstaunend erfahren, seine Hauptaufgabe war es, dem Kapitän ein standesgemäßerGesellschafter zu sein.
Wieder auf ‚festem Boden' werden uns weiterewichtige Kollegen Darwins vorgestellt – mit viel menschlichem Detail bringtSabine sie uns näher.
Wir hören, um einen riesigen Elefantenschädelgeschart, was solche Funde an Mythen kreiert haben: der Schädel hat in der‚Stirn' ein großes Loch – das man auch prompt für die Augenhöhle im Kopf desZyklopen interpretiert hat – und es ist gut nachvollziehbar. (Das ‚Loch' istübrigens die Nasenhöhle)
Weiter geht's zu einem high-light derAusstellung: hinter dickem Glas verschlossen ein kleiner Menschenschädel,reichlich ramponiert dazu. Wir haben vor uns den Steinheimer Urmenschenschädel,der 1933 in einer Kiesgrube bei Steinheim an der Murr gefunden wurde. 250 000Jahre ist er alt – und es war sofort klar: das Loch im Schädel weißt auf einengewaltsamen Tod hin – es waren damals ja auch alles Wilde...
Tonnen von Gestein, über die Jahre, könntenallerdings auch dazu beigetragen haben. Wir sind nun mitten drin in Forschungund Theorie, und mit Sabine Ratzels spannenden Erklärungen werden viele Fragenund Gedanken angestoßen.
Sie erklärt uns, dass diese Menschen (die Wildenhalt), eine durchaus soziale Gesellschaft gewesen sein müssen. Man fandSkelette mit verheilten Beinbrüchen – und jemand mit einer solchen Verletzungkonnte allein nicht bestehen. Er brauchte Schutz, Nahrung, Pflege.
Wir erfahren viel über die Arbeitsweise derWissen-schaftler, und wie man zu welchen Schlüssen /Theorien kommt. Und letztendlich auch, dass es viele offene Fragen gibt. Warumsind Neandertaler ausgestorben, und der homo sapiens hat sich weiterentwickelt?Haben die Einen die Anderen umgebracht, oder waren es doch die Evolution undder Zufall, die den einen besser angepasst fanden? Gibt es vielleichtKreuzungen? Wir denken an DNA-Analysen und Ähnliches – werden aber aufgeklärt,dass es damit nach 100-tausenden von Jahren doch gewisse Einschränkungen gibt.
Unser Rundgang bringt uns schließlich auch zuden Darwinfinken der Galapagosinseln. Ihre Beobachtung soll Darwin zurEntwicklung seiner Theorie gebracht haben – was aber so nicht stimmt. Er hatlediglich bemerkt, dass es wohl einen Zusammenhang zwischen Formenabstufung undgeografischer Trennung gibt. (Auf den verschiedenen Inseln gibt es sehrunterschiedlich aussehende Finken.) Diebemerkenswerte Sache hier ist aber eine ganz andere: Bei Nahrungsknappheit füreine von zwei spezialisierten Arten findet ein Austausch statt: Die Männchender einen Art wählen Weibchen der anderen. Die daraus hervorgehenden Kückentragen aber nur die Merkmale der momentan ‚bedrohten' Spezies. Es wird also nurvorübergehend von der anderen Art ‚ausgeliehen'. Ein Phänomen, das auch wir andiesem Abend nicht gelöst bekommen.
Nach über einer Stunde, die wie im Flugvergangen ist, begeben wir uns zum Murrhardter Hof. Hier widmen wir uns demeinen Thema der Arterhaltung – der Nahrungsaufnahme, und lassen bei Rostbraten,Trollinger, Salat, Apfelsaft, Maultaschen (je nach jeweiliger Nische einesjeden) den Abend ausklingen.
Ein ganz herzlicher Dank geht an Christiane,die diesen Abend für uns organisiert hat, und natürlich an Sabine Ratzel, dieuns die Evolutionstheorie sehr unterhaltsam und spannend hat schnuppern lassen. (SybilleDahl)
ein paar Bilder von der Führung