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19 | 05 | 2012

Senioren unterwegs

Vom Hohenheimer Schloss zum Scharnhäuser Schlössle

 

Um ein bisschen die württembergische Geschichte aufzufrischen, trafen sich nicht weniger als 35 Teilnehmer der Seniorengruppe des Schi-Vereins Stuttgart-Vaihingen am Mittwoch - Nachmittag, 3. Juni 2009 zu einem Ausflug. Dieses Mal wurden keine fernen Ziele angesteuert, sondern es galt die beiden interessanten Schlossanlagen von Hohenheim und Scharnhausen zu besichtigen.

Nachdem die komplette Wandergruppe in Plieningen - Garbe, Endhaltestelle der Straßenbahnlinie U3, beisammen war, ging es zunächst weiter zum Mühlbach. Hier wurden die Anwesenden nochmals alle vom Wanderführer Willi Kuhn begrüßt und es konnte auch gleich das Rätsel des seit kurzem aufwärts fließenden Baches aufgeklärt werden. Wie des Öfteren schon vorgekommen, war auch hier menschliches Eingreifen in die Abläufe der Natur dafür verantwortlich.

Das Wetter war traumhaft - ideal für Ausflüge dieser Art. Strahlend blauer Himmel, durchsetzt mit federleichten Cirrus Wolken, die aussahen wie feine Schleier oder Schäfchen und manchmal auch ein bisschen Schatten spendeten.
Weiter ging es zum „ Exotischen Garten „ einem Teilbereich der Parkanlage Schloss Hohenheim. Hier sind noch Reste von römischen Säulen des donnernden Jupiters aus früher Zeit zu bestaunen. Ludwig Uhland lässt das in seinem Gedicht „ Des Sängers Fluch" aufleben:

Noch eine Säule zeugt von verschwundener Pracht,
auch diese schon geborsten, kann stürzen über Nacht

Vorbei am vielbesuchten Denkmal - Franziska Reichsgräfin von Hohenheim und Herzog Carl Eugen - nach wenigen 100 Metern zum eigentlich bekannteren Schlosspark. Hier wurde Mitte letzten Jahres ein kunstvoller Obelisk zu Ehren von Königin Katharina - Gemahlin von König Wilhelm I. errichtet. Der schlicht behauene Stein besticht durch die zeitlose Eleganz des Marmors und fügt sich sehr harmonisch in die beliebte Gartenanlage ein.

seniorenhohenheim2009

Gedenkstein Königin Katharina von Württemberg - die Lady Di des 19. Jahrhunderts


Nach kurzer Verweilpause führte uns der Weg weiter abwärts ins windgeschützte, romantische Körschtal. Ein Kleinod im unmittelbaren Einzugsbereich Stuttgarts. Dieses traumhaft schöne Tal besticht durch natürlich dichtbewachsenem Baumbestand. Einzelne knorrige Baumkronen recken ihre dürren Äste in die Höhe und man kann ihr mögliches Alter nur ahnen.
Durch saftig, grüne Wiesen - mal sonnig, mal im Schatten - wandern wir gemächlich weiter zum schön herausgeputzten Reiterhof Stockhausen.

Kurz danach erreichten wir das ehemalige Königliche Gestüt König Wilhelms I. Wir lustwandeln also - wie heute schon des Öfteren - auf geschichtsträchtigem Boden. Immer wieder unterbrochen durch Erklärungen des Wanderführers, erfahren wir alles Wissenswerte hautnah über die historischen Hintergründe. So auch zum Beispiel, dass das weit ins Land hinaus bekannte Marbacher Hengstgestüt auf der Schwäbischen Alb hier seinen Ursprung hat. Nach wenigen 100 Metern taucht dann - wie aus dem Nichts - das heute noch unglaublich schöne frühklassizistische Schlösschen am Rande von Scharnhausen auf. Es befindet sich im Privatbesitz und kann deshalb nur aus einem gebührenden Abstand besichtigt werden.
Dem Betrachter bietet sich ein prachtvolles Gebäude mit markantem Säulenportikus und es lässt das frühere Hofleben vor dem geistigen Auge Revue passieren. Das kleine Schloss wurde vom württembergischen Herzog Carl Eugen 1784 errichtet. Es diente ihm als Rückzugsort und er weilte zwischen 1784 bis 1788 mit seiner Lebensgefährtin Franziska von Hohenheim mehr als 200-mal im Scharnhäuser Schlössle.

Zu dieser Anlage gehörte früher noch ein liebevoll gestalteter Englischer Garten - nach dem Vorbild des Wörlitzer Parks in Dessau angelegt - mit geschwungenen Wegen, pittoresken Teichen, kleinen Gebäuden und einem Wildgehege. Ein Anblick der jeden Besucher - auch heute noch - begeistern würde.
Nochmals lesen wir die im Dreiecksgiebel eingemeißelte lateinische Inschrift:
„ Carolus Otio „ ( Carl zur Muße )
und ziehen weiter - der nebenan plätschernden Körsch entlang - zum heutigen Zielort Scharnhausen.

In der Dorfmitte angekommen, stehen wir auch sogleich vor dem ehrwürdigen, alten Rathaus aus dem 16. Jahrhundert, während der Ort Scharnhausen erstmals 1242 urkundlich erwähnt wurde. Sein Name geht auf einen Ritter Scharre von Husen zurück, der hier residierte.  Im Laufe der Jahrhunderte durchlebte der arme Bauernort - durch seine topographische Lage zur landwirtschaftlichen Nutzung nur bedingt geeignet - eine wechselvolle Geschichte. Heute ist er im Zuge der Gemeindereform ein Teil der Stadt Ostfildern, zusammen mit den anderen Gemeinden Nellingen, Kemnat und Ruit. Nun war es aber genug mit württembergischer Geschichte. Wir wurden von den freundlichen Wirtsleuten im Gasthof zum Lamm bereits erwartet.

Frisch gestärkt und den Flüssigkeitshaushalt wieder ausgeglichen machten wir uns alle, etwa 2 Stunden später, gemeinsam mit dem Linienbus auf den Heimweg.

Ein schöner Tag ging zu Ende und aus den Reaktionen konnte man entnehmen, dass es für viele ein gelungener Ausflug war.

Willi Kuhn